Aus‑Zeit-

Die temporären Arbeiten von Theo Windges

 

Zeit. Vor allem die fehlende, rasende und schnelllebige Variante bestimmt unseren Alltag. Meist vergeht sie wie im Flug und kaum jemand wird behaupten, in ausreichendem Maße von ihr zu haben. In Zeiten des allgemeinen Trubels und der Hektik kann es sich deshalb lohnen, eine temporäre Auszeit zu nehmen. Losgelöst von seiner uns vertrauten photographischen Arbeit setzt sich Theo Windges mit dem Phänomen der Zeit auseinander, indem er auf bildnerische und humorvolle Weise dem sonst schwer zu fassenden Zeitgeist nachspürt. Es ist ein besonderes Zeitfenster, das er dem Betrachter eröffnet. Der Einstieg ist von jedem Bild aus möglich.

 

Als Bild im Bild präsentieren sich zeitgenössische Stillleben in der privaten Umgebung des Künstlers. Denn den äußeren Rahmen bildet sein eigenes Atelier, ein unbenutztes Schwimmbad, dessen markantes Interieur immer wieder neu in Szene gesetzt wird. In dieses skurril anmutende Ambiente hinein arrangiert Theo Windges mit Hilfe modernster Computertechnik feinsinnige, zuweilen tiefgründige Wortspiele und bildnerische Paraphrasen. Diese, vorrangig visualisiert durch ein zeigerloses Zifferblatt, erzählen von der Zeit, die zerrinnt, verfliegt, verloren geht oder vertrieben wird, bis sie am Ende gänzlich verschwunden zu sein scheint. Neben persönlichen Requisiten schöpft Theo Windges auch aus dem prominenten Fundus surrealer Bildinhalte, gleich einem kunsthistorisch gefiltertem Blick.

 

Diese offensichtlichen Zitate, die Verwendung digitaler Computertechnik und die leicht verständlichen und amüsant präsentierten Inhalte spiegeln auf sehr ironische Weise die Bedürfnisse der heutigen Gesellschaft. Lässt man jedoch das Auge eine Zeit lang auf der Bildoberfläche verweilen, so eröffnet sich mit und durch die Zeit eine weitere Ebene, die dem Betrachter Raum für seine eigenen Gedanken und Schlussfolgerungen lässt.

 

Dr. Alexandra Kolossa